Fichte, Tanne, Buche, Bergahorn – viele unserer heutigen Baumarten werden auch künftig eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig stellt sich angesichts trockener und heißer Jahre immer häufiger die Frage: Reicht unsere bisherige Baumartenpalette für den Wald der Zukunft aus?
In Bayern wird deshalb inzwischen in bemerkenswertem Umfang ausprobiert. Seit der Neuausrichtung der waldbaulichen Förderung hat sich die Zahl der Praxisanbauversuche innerhalb eines guten Jahres mehr als verdoppelt. Mittlerweile haben bayerische Waldbesitzer über 1.000 Versuchsflächen mit potenziellen Zukunftsbaumarten angelegt.
Dabei geht es keineswegs darum, unsere heimischen Baumarten großflächig durch Exoten zu ersetzen. Vielmehr soll untersucht werden, welche zusätzlichen Baumarten und vor allem welche Herkünfte mit künftig wärmeren und trockeneren Bedingungen zurechtkommen und unsere Wälder breiter aufstellen können.
Zeder, Baumhasel oder Orientbuche?
Die Palette der untersuchten Baumarten ist groß. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft beschäftigt sich beispielsweise mit Baumhasel, Hopfenbuche, Orientbuche, Bornmüllertanne, Atlas- und Libanonzeder und zahlreichen weiteren Arten. Für 32 Baumarten liegen bereits Anbaurisikokarten im Bayerischen Standortinformationssystem vor; weitere Arten werden hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Anbaufähigkeit untersucht.
Besonders interessant sind derzeit verschiedene alternative Nadelbaumarten. In seit 2018 laufenden Versuchen werden unter anderem Atlaszeder, Libanonzeder und Bornmüllertanne mit Douglasie und heimischer Weißtanne verglichen.
Nach acht Jahren zeigen sich erste Unterschiede: Douglasie und Atlaszeder schnitten in der Anwuchsphase auf den untersuchten Versuchsstandorten bislang besonders gut ab. Auch Libanonzeder und Bornmüllertanne zeigen interessantes Potenzial. Für ein abschließendes Urteil ist es aber noch viel zu früh. Ein Waldbaum muss schließlich nicht acht, sondern viele Jahrzehnte mit Frost, Trockenheit, Sturm und Schadorganismen zurechtkommen.
Nicht nur die Baumart entscheidet
Mindestens ebenso wichtig ist die Herkunft. Bäume derselben Art können je nach Herkunft sehr unterschiedlich auf Trockenheit, Frost oder andere Belastungen reagieren. Gerade bei bislang wenig erprobten Baumarten können diese Unterschiede erheblich sein.
Für uns Waldbesitzer ist deshalb Zurückhaltung angebracht. Eine vermeintliche „Wunderbaumart“, mit der wir heute schon sicher den Wald des Jahres 2075 pflanzen könnten, gibt es nicht.
Sinnvoller ist es, Risiken zu verteilen: bewährte standortgerechte Baumarten erhalten, Naturverjüngung nutzen und dort, wo es passt, interessante zusätzliche Baumarten oder Herkünfte zunächst in überschaubarem Umfang ausprobieren.
Genau dafür sind die bayerischen Praxisanbauversuche interessant. Statt auf Prognosen allein zu vertrauen, sammeln Waldbesitzer gemeinsam mit der Forstverwaltung Erfahrungen direkt im Wald. Was sich davon tatsächlich bewährt, werden letztlich erst die kommenden Jahrzehnte zeigen.
Quellen: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF), Pressemitteilung vom 24.04.2026 „Waldbesitzer testen neue Zukunftsbäume“; Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Jugendentwicklung von alternativen Nadelbaumarten in der Kulturphase, LWF aktuell 155; LWF/Amt für Waldgenetik, Informationen zu Praxisanbauversuchen und alternativen Baumarten.
Foto: Praxisanbauversuch mit Atlaszeder – Foto: Norbert Wimmer/LWF. Das StMELF weist das Bild ausdrücklich als honorarfrei für den Abdruck bei Angabe dieser Fotoquelle aus.